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Die Geschichte einer deutsch-französischen Städtepartnerschaft
Wenn zwei Städte eine Partnerschaft eingehen, ist dies zunächst ein offizieller Akt. Wenn daraus über Jahrzehnte Freundschaften, Familienkontakte und persönliche Erinnerungen entstehen, wird aus einer Partnerschaft gelebte Verbundenheit.
So ist es auch bei der Verbindung zwischen Kelheim in Bayern und Ambarès-et-Lagrave in der französischen Region Nouvelle-Aquitaine. Seit den ersten Kontakten und der offiziellen Begründung der Städtepartnerschaft im Jahr 1989 hat sich zwischen den beiden Städten eine enge und herzliche Beziehung entwickelt. Heute steht die Partnerschaft vor allem für Begegnung, Austausch und persönliche Freundschaft.
Die ersten konkreten Kontakte zwischen Kelheim und Ambarès-et-Lagrave reichen bis in die Mitte der 1980er-Jahre zurück. Schon damals entstand der Wunsch, Menschen aus beiden Städten zusammenzubringen und eine dauerhafte Verbindung aufzubauen.
Im Mittelpunkt stand von Beginn an die Idee, Europa nicht nur auf politischer Ebene zu gestalten, sondern es für die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar erlebbar zu machen. Begegnungen über Ländergrenzen hinweg, das Kennenlernen einer anderen Sprache und Kultur und das Entstehen persönlicher Freundschaften sollten die Grundlage der neuen Partnerschaft bilden.
Mit der offiziellen Partnerschaft im Jahr 1989 wurde der Grundstein für einen regelmäßigen Austausch gelegt.
Von Anfang an ging es dabei um mehr als gegenseitige offizielle Besuche. Die Menschen sollten sich kennenlernen, gemeinsam Zeit verbringen und Einblicke in ihren Alltag gewinnen.
Kelheim und Ambarès-et-Lagrave liegen geografisch weit (1.354 km) voneinander entfernt und sind zugleich durch ihre unterschiedlichen regionalen Traditionen geprägt. Gerade diese Unterschiede machten und machen den Austausch besonders interessant.
Die Partnerschaft wurde zu einer Möglichkeit, das jeweils andere Land nicht nur als Urlaubsziel kennenzulernen, sondern es durch die Begegnung mit seinen Menschen wirklich zu erleben.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Partnerschaft kontinuierlich weiter.
Gegenseitige Besuche, gemeinsame Unternehmungen und Aufenthalte bei Gastfamilien wurden zu festen Bestandteilen des Austauschs. Aus Begegnungen entstanden persönliche Bekanntschaften, aus Bekanntschaften wurden Freundschaften.
Die Unterbringung in Familien spielt dabei eine besondere Rolle. Wer bei einer Familie zu Gast ist, erlebt den Alltag des Partnerlandes unmittelbar: beim gemeinsamen Essen, bei Ausflügen, im Gespräch und bei vielen kleinen Begegnungen, die oft länger in Erinnerung bleiben als jedes touristische Programm.
So wurde die Städtepartnerschaft zu einem Netzwerk persönlicher Beziehungen, das Generationen miteinander verbindet.
Eine besondere Bedeutung kommt dem Austausch von Kindern und Jugendlichen zu.
Das Donau-Gymnasium Kelheim organisiert einen regelmäßigen Schüleraustausch mit Ambarès-et-Lagrave. Für die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bietet sich dadurch die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse praktisch anzuwenden, eine andere Kultur kennenzulernen und Freundschaften mit Gleichaltrigen zu schließen.
Dabei wird deutlich, dass europäische Verständigung nicht allein durch politische Erklärungen entsteht. Sie wächst vor allem dort, wo junge Menschen einander begegnen, gemeinsam lachen, voneinander lernen und entdecken, dass Unterschiede und Gemeinsamkeiten gleichermaßen bereichernd sein können.
Der Schüleraustausch ist deshalb ein wichtiger Baustein für die Zukunft der Städtepartnerschaft.
Ein besonderer Meilenstein war das Jahr 2019. Damals konnte das 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert werden.
Das Jubiläum machte deutlich, wie dauerhaft die Verbindung zwischen Kelheim und Ambarès-et-Lagrave inzwischen geworden war. Was einst als europäische Idee und kommunale Partnerschaft begonnen hatte, war zu einer festen Freundschaft zwischen Menschen und Familien gewachsen.
Die Feierlichkeiten und Begegnungen dieses Jubiläumsjahres standen damit zugleich für drei Jahrzehnte gegenseitigen Kennenlernens, gemeinsamer Erlebnisse und gelebter deutsch-französischer Freundschaft.
Wie viele internationale Partnerschaften wurde auch die Verbindung zwischen Kelheim und Ambarès-et-Lagrave durch die Corona-Pandemie vor große Herausforderungen gestellt.
Persönliche Besuche waren zeitweise nicht möglich, geplante Begegnungen mussten verschoben oder abgesagt werden. Gerade in dieser Zeit zeigte sich jedoch, wie wichtig die über viele Jahre gewachsenen Kontakte waren.
Der Austausch wurde auf digitalem Weg fortgesetzt. Vertreterinnen und Vertreter beider Städte und der Partnerschaftskomitees blieben miteinander in Verbindung und berieten über die Zukunft der Partnerschaft.
Auch wenn persönliche Begegnungen nicht ersetzt werden konnten, halfen Videokonferenzen dabei, den Kontakt aufrechtzuerhalten. Der Wunsch, die Partnerschaft nach der Pandemie fortzuführen und zu stärken, blieb auf beiden Seiten bestehen.
Mit dem Ende der pandemiebedingten Einschränkungen konnten die persönlichen Begegnungen wieder aufgenommen und intensiviert werden.
Besuche in beide Richtungen ermöglichten es den Partnern, dort weiterzumachen, wo die Pandemie eine unfreiwillige Pause verursacht hatte. Besonders wertvoll waren dabei die Begegnungen von Familien und Freunden, die sich teilweise schon seit vielen Jahren kennen.
Die Partnerschaft wurde damit erneut zu dem, was sie im Kern immer gewesen ist: eine Verbindung von Menschen.
Ein weiterer wichtiger Schritt erfolgte im November 2025 mit der Gründung einer neuen Arbeitsgemeinschaft Städtepartnerschaft Kelheim – Ambarès-et-Lagrave.
Langjährige Teilnehmerinnen und Teilnehmer bündeln darin künftig ihre Erfahrungen und Kräfte. Ziel ist es, die Freundschaft zwischen beiden Städten zu pflegen, neue Menschen für den Austausch zu begeistern und insbesondere junge Menschen stärker einzubeziehen.
Die Arbeitsgemeinschaft soll unter anderem den Austausch zwischen Familien und Schulen unterstützen, Besuchsprogramme mitgestalten und den Kontakt zum französischen Partnerschaftskomitee intensivieren.
Damit erhält die Städtepartnerschaft neue organisatorische Impulse und zugleich eine gute Grundlage für die kommenden Jahre.
Im Jahr 2029 wird die Städtepartnerschaft zwischen Kelheim und Ambarès-et-Lagrave ihr 40-jähriges Bestehen feiern.
Vier Jahrzehnte Partnerschaft sind ein bedeutendes Jubiläum. Sie stehen für eine Zeit, in der sich Europa verändert hat und in der internationale Freundschaften immer wieder neue Herausforderungen meistern mussten.
Die Geschichte der Partnerschaft zeigt, dass ihre größte Stärke in den persönlichen Beziehungen liegt. Städtepartnerschaften werden von Menschen getragen – von Menschen, die einander besuchen, miteinander sprechen, gemeinsam feiern und füreinander Zeit haben.
Das 40-jährige Jubiläum kann deshalb Anlass sein, zurückzublicken, aber ebenso nach vorne zu schauen.
Auf die Freundschaft zwischen Kelheim und Ambarès-et-Lagrave – auf die vergangenen Jahrzehnte und auf viele weitere gemeinsame Jahre!
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